Hier in Gebiet „Im Meinerksberge“, an der Gemarkungsgrenze zur alten Gemeinde Wickede, plante Pfarrer Franz Gerken (* 07.04.1867 V29.5.1943 (=76)) Ortspfarrer vom 1.4.1913 bis zu seinem Tode) den Bau einer Wallfahrtskapelle.

Vorbild hierfür war die Waldenburgkapelle von 1723 bei Attendorn, die 1965 dem Biggesee weichen musste und weiter oberhalb am jetzigen Standort wieder aufgebaut wurde. Eigentümer der Kapelle sind die Freiherren von Fürstenberg-Herdringen.

Mit Eingangsstempel des Amtes Werl vom 14. Juli 1931 beantragte er die Baugenehmigung und vermerkte am Schluß: ….die Einrichtung des Barock-Baues ist zur Genüge aus den Zeichnungen ersichtlich. Um recht baldige Erledigung bittet; Gerken, Pfarrer.

 

Noch am selben Tag!! schrieb man vom Amt Werl zurück, dass doch noch einige Unterlagen fehlten, wie Baubeschreibung und Statik, und diese noch nachgereicht werden müssten. Fritz Quenter aus Wickede reichte als Amtsbausachverständiger mit Stempel vom 5. August 1931 die Unterlagen ein. In der Baubeschreibung heißt es u.a.:

Die Kapelle in Wiehagen soll den Einwohnern Wickedes und Wiehagens als Wallfahrtskapelle dienen. Sie wird direkt auf schieferigen Fels gebaut….

Das aufstehende Mauerwerk hat eine Stärke von 60 cm und wird in Bruchsteinen mit Kalkzementmörtel ausgeführt...

Das Dach wird in einer Kuppellaterne aufgelöst, die auf dem Halsring zeichnungsgemäß befestigt wird. Gleichzeitig ist durch diese eine Deckenlüftung vorgesehen. Das Dach und die Laterne sind mit doppeltem Bitumen-Asphalt bedeckt.

Nach der Sanierung von 1963 hat es dann eine Schieferdeckung bekommen.

Der Bauschein ist mit der Nr. 64/1931 an Pfarrer Gerken ausgestellt.

Das Grundstück stellte Bauer Josef Behme aus Wiehagen zur Verfügung.

Ein Problem war anscheinend noch die Prüfungsgebühr von 7,50 RM. Da Pfarrer Gerken die Kosten für den Bau der Kapelle aus eigenen Mitteln bezahlte, musste er auch die Prüfungsgebühr bezahlen. Dieses stellte der Polizeihauptwachtmeister Goebel am 21. September 1931 ausdrücklich fest. Der Betrag wurde von ihm am 9. Oktober 1931 quittiert.

 

Die Bauakte der Bergkapelle ist hier so ausführlich beschrieben, um etwas richtig zu stellen.

Am Abend der 23. September 1931 wurde das Wickeder Pfarrhaus von drei vermummten Gestalten überfallen. Mit vorgehaltener Pistole bedrohten die Räuber den Pfarrer, seine Haushälterin und eine Hausangestellte und forderten alles Bargeld, was im Hause sei. Man gab ihnen 150 Mark und etwas Kollekten Geld heraus. Die Bewohner des Pfarrhauses wurden im Keller eingeschlossen. Nun durchsuchten die Einbrecher das Pfarrhaus nach weiterem Bargeld, doch sie fanden nichts. Die Schlüssel zur Kirche waren zwar vorhanden, doch ließen sie die Kirche unberührt.

Unter Androhung zu schießen wenn sie vor 23 Uhr den Keller verlassen würden, flüchteten die Täter unerkannt.

 

Nach diesem Ereignis ging die Geschichte durch Wickede und Wiehagen, der Pfarrer soll aus Dankbarkeit dafür, dass bei dem Überfall keinem etwas passiert war, den Bau der Bergkapelle gelobt haben.

Doch zu diesem Zeitpunkt war der Bauantrag aber längst von ihm gestellt, sodass die Geschichte von dem Gelöbnis des Pfarrers, wie es die genannten Daten belegen, so nicht stimmen kann.

Die Verdienste des Pfarrers Gerken werden dadurch nicht geschmälert, denn nicht umsonst stehen auf seinem Grabstein die Worte:

Wohltäter der Gemeinde, Helfer der Kranken“

Pfingstmontag, den 16. Mai 1932, wurde die Kapelle unter großer Beteiligung der Bevölkerung bei Blitz und Donner eingeweiht. Durch das Generalvikariat in Paderborn erhielt Pfarrer Gerken die Vollmacht zur Benediktion (Einsegnung und Weihe) und die Genehmigung nach Bedürfnis dort hl. Messen zu lesen.

Vor allem im Monat Mai bis September werden auch heute noch in der Bergkapelle Abendmessen gehalten.

In den 50er Jahren veranstalteten die Kolpingfamilie Fackelzüge mit bis zu 300 Teilnehmern zur Bergkapelle. Vom Vereinshaus über die Nordstraße zur Bergkapelle. 

1962, zum 35. Bestehen der Kolpingfamilie wurde nochmals eine große Lichterprozession abgehalten.

 

Für die Wiehagener und Wickeder war die Bergkapelle immer ein Anlaufpunkt für den sonntäglichen Spaziergang.

 

Doch der Zahn der Zeit ging auch an diesem Gebäude nicht spurlos vorüber. Als im Mai 1963 in einem Zeitungsartikel zu lesen war: Ein Schmuckstück auf dem Meinerkesberg verwahrlost!“ wurden endlich eine Instandsetzung und ein Umbau der Kapelle betrieben.

Auch hier, wie bei der Antoniuskirche, gibt es verschiedene Meinungen darüber, ob die Kapelle durch den Umbau und Umgestaltung des Innenraumes besser und schöner geworden ist oder nicht.

1974 gestaltete die politische Gemeinde mit Beteiligung der Kirchengemeinde den Vorplatz neu. Vorher war die Kapelle mit lauschigen Heckrosen und Bänken umgeben.

Um die Kapelle sind 7 Bildstöcke aufgereiht, die die „Sieben Schmerzen Marias“ darstellen. Diese sind:

 

Darstellung Jesu im Tempel mit Weissagung Simeons

Flucht nach Ägypten vor dem Kindermörder Herodes (Mt 2,13-15 EU)

Verlust des zwölfjährigen Jesus im Tempel

Jesus begegnet seiner Mutter am Kreuzweg

Kreuzigung und Sterben Christi

Kreuzabnahme und Übergabe des Leichnams an Maria (Beweinung Christi)

Grablegung Jesu

 

Den Schlüssel zur Bergkapelle verwaltete lange Jahre die Familie Hilscher und Meyer in der Nachbarschaft.

Leider wurde die Bergkapelle und auch die Bildstöcke immer wieder Ziel von Zerstörung und Vandalismus.

In diesem Jahr hat sich der Förderverein „Dorf Wiehagen e.V.“ zum Ziel gesetzt, den Außenbereich zu verschönern. Mit einer Außen-Beleuchtung soll das lichtscheue Gesindel abgehalten werden.Innerhalb dieser Maßnahme wurde auch die Glocke, noch mit Handbetrieb, untersucht. Der bekannte Glockendokter – Pfarrer Dr. Gerhard Best- hat festgestellt dass die kleine Glocke älter als das Bauwerk ist.

 

Von einem Beiratsmitglied wurde ich darauf aufmerksam gemacht dass Fritz Tapprogge in seinem „Beitrag zur Heimatkunde der Großgemeinde Wickede (Ruhr)“ geschrieben hat:

….die Glocke thront jetzt in luftiger Höhe der Bergkapelle und gibt Kunde von dem untergegangenem Adelsgeschlecht derer von Schafhausen.

Hier geht es um das alte Rittergut Schafhausen im Ortsteil Schlückingen. 1905 wurde die Kapelle desRittergutes aufgelöst und die Glocke kam dann später in die Bergkapelle.

*Zusammengestellt von Josef Kampmann, Wickede-Ruhr, Kirchstraße 67a

 

 

Foto Erich Garte

 

800 Jahre Wiehagen

Die Edelherren Everhard und Jonathan von Ardey hatten den Obsthof Wiehagen mit drei Unterhöfen und allem Zubehör dem nahen Kloster Scheda geschenkt. Erzbischhof Adolf von Köln als Lehnherr bestätigte die Schenkung mit Urkunde von 1202.Das ist die älteste uns bekannte Urkunde, die den Namen unseres Ortes Wiehagen erwähnt.Die große Zahl der namentlich genannten hochrangigen Zeugen läßt auf die Bedeutung des zu Grunde liegenden Rechtsvorgangs schließen. Geht man davon aus, dass auch die drei Unterhöfe in Wiehagen lagen, so gehörte mehr oder weniger ganz Wiehagen dem Kölner Erzbistum. Unbekannt ist, wann und wie es an den Wiehagener Besitz gekommen war. Von den Werler Grafen? „Natürlich“  ist der Ort Wiehagen älter als 800 Jahre.

Theo Arndt vom Reiterhof las die Ausarbeitung von Paul Derks und Eberhard Goecke über die Siedlungsnamen der Gemeinde Wickede-Ruhr in dem lange zurückliegenden Heft Nr. 11 des Wickeder Geschichts- und Heimatvereins, entdeckte darin unter Wiehagen die Jahreszahl 1202 und meinte, das 800jährige sei doch eine Feier wert. Ortsvorsteher Heinrich Koerdt sorgte dafür, dass eine –zunächst lockere- Runde Interessierter und Engagierter zusammenkam.Angesichts einiger mutiger Vorstellungen über zu entwickelnde Aktivitätenmochten den einen oder anderen anfangs leise Zweifel beschlichen haben, ob sich die kleine Gruppe in dem kleinen Ort mit so heterogener Ein-wohnerschaft da nicht übernehmen könne. Aber die Sache nahm Gestalt an und mehr als geredet wurde überlegt gehandelt, organisiert und angepackt. Die Gruppe nannte sich nun „Förderverein Dorf Wiehagen“, wurde eingetragener Verein und warb  weitere Mitglieder.

Ein Autorenteam schrieb, sammelte und redigierte Beiträge zu einer Orts-chronik, die in gefälliger Aufmachung gebunden rechtzeitig vor dem Juibiläums-fest erschien, dank der Unterstützung freigiebiger Sponsoren zu dem sehr günstigen Preis von 7,50 Euro. Und die für einen so kleinen Ort doch recht optimistische Auflage fand ihren Abnehmer.²

Durch den Einsatz der Bürgerschaft, auch mit Hilfe des gemeindlichen Bauhofs, wurde das Ortsbild gepflegter. An den Dorfeingängen wurden geschmackvolle geschnitzte Willkommenschilder aufgestellt. In der weiteren Nachbarschaft warben große lustig dekorierte Strohpuppen für das zweitägige Wiehagener Dorffest, wie denn auch intensiv und informativ in den Tageszeitungen geworben wurde.

Die Jubiläumsfeier begann am Samstag, 1. Juni 2002 um 17 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Dorfplatz vor der Kriegergedächtnis-kapelle. Der Abend setzte sich fort auf dem Hof Spiekermann, wo sich Jürgen W. Möllemann, damals noch FDP-Landesvorsitzender, per Fallschirmabsprung einfand. Dabei sprach er in das Mikrofon auch die zukunftsträchtigen Worte: „Gut, wenn Politiker den freien Fall beherrschen.“ Der Auftritt anderer Parteipolitiker war weniger spektakulär. Nach Tanzvorführungen im Freien gab es „Danz op de Deel“.

Am Sonntag, dem 2 Juni wurde nach einigen offiziellen Ansparchen auf dem Dorfplatz der von Franz Werner Koerdt gut ausgewählte und künstlerisch gestaltete Gedenkstein mit dem Wiehagener Logeo enthüllt, und dann war der Weg frei zu dem Bauern- und Handwerker- und Kreativmarkt, der sich mit Stand an Stand über die dafür gesperrte Dorfstraße vom Reiterhof Arndt bis zum Hof Spiekermann und über die angrenzenden Straße und Wege unter Einbeziehung der landwirtschaftlichichen Hofstellen erstreckte. Nicht nur die Menge an Ständen war erstaunlich, auch die gute, vor allem auf das Dorf bezogene, interessante Auswahl, wobie man manchem Handwerker bei der Arbeit zusehen konnte. Und dazwischen gab es Musik, Tanz und anderee Aktivitäten.

Etliche Tausende von Zuschauern kamen, das Fest wurde, auch nach der Besucherzahl, ein sehr großer Erfolg. Auf beiden Seiten hörte man: Alle unsere Erwartungen wurden weit übertroffen.

Nicht auszudenken, wenn es Bindfäden geregnet hätte. Das Wetter vorher und nachher schlecht, war an den beiden Festtagen so gut, wie es besser nicht sein konnte. Man habe unverschämtes Glück gehabt, meinte das Organisations-komite. Als „Aúswärtiger“ kann man’s ja behaupten: Es war Verdienst! Der Föderverein Wiehagen will zusammenbleiben, nicht nur Dokumentation des Jubiläumsfestes, sondern auf Dauer für weitere Aktivitäten. Dazu: Glück auf! 

Franz Haarmann.[1]

 

Fotos Archiv Heimatverein Wickede-Ruhr

 

 

 



[1] Verfasser: Franz Haarmann (siehe Information für Heimatfreunde Ausgabe 3 Dezember 2002)

² Siehe auch das Buch „800 Jahre Wiehagen 1202 - 2002